Ulrich Berres (UB): Hallo Daniel, im September vergangenen Jahres bist Du in der Diözesanjungschützenratssitzung zum neuen Diözesanjungschützenmeister (DJSM) gewählt worden. Hierzu gratuliere ich Dir recht herzlich und wünsche Dir viel Erfolg im neuen Amt. In Jungendkreisen bist Du ja sicherlich hinlänglich bekannt, denn Du bist in diesem Bereich schon länger aktiv. Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen, Dich mit diesem Interview einem größeren Kreis innerhalb unserer großen Schützenfamilie bekannt zu machen. Was sollten wir über die Person Daniel Ball wissen?
Daniel Ball (DB): Ich bin Jahrgang 1975, ein echter Rheinländer, und engagiere mich seit fast vierzig Jahren im Ehrenamt. Geboren und aufgewachsen bin ich in Brühl, wo ich nach dem Fachabitur eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte. Nach 22 Jahren in diesem Beruf habe ich mich beruflich neu orientiert und arbeite heute als Beamter im Bundesministerium der Verteidigung. Dort bin ich im Bundesamt für das Personalmanagement für bundesweite Projekte tätig.
Mein Lebensmittelpunkt liegt inzwischen gemeinsam mit meiner Partnerin im Siebengebirge, genauer gesagt in Königswinter-Thomasberg.
Mit dem Ehrenamt habe ich bereits in meiner frühen Jugend begonnen: Zunächst bei der DLRG, wo ich in der Schwimmausbildung und im Jugendvorstand aktiv war. Nach einer freiwilligen Ausbildung zum „Vereinsmanager LSB“ übernahm ich mehrere Jahre Verantwortung im geschäftsführenden Vorstand des Stadtsportverbandes Brühl – zuletzt als Vorsitzender. In dieser Zeit gehörten unter anderem die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung zur Einführung von Sportstättennutzungsgebühren zu meinen Aufgaben.
Über den Stadtsportverband fand ich schließlich den Weg zur St. Sebastianus Schützenbruderschaft Brühl vor 1442 e.V. Nach meinem Eintritt war ich dort mehrere Jahre als Geschäftsführer und Jungschützenmeister aktiv. Die Jugendarbeit war mir dabei stets ein besonderes Anliegen – unabhängig davon, ob im Rettungswesen, im Dachverband der Brühler Sportvereine oder im Schützenverein. Nachwuchs zu fördern und junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern, war und ist für mich ein zentrales Thema.
Ein persönliches Herzensprojekt war der Diözesanjungschützentag (DJT) in Brühl, dessen Konzept wir über Jahre vorbereitet hatten. Ursprünglich sollte der DJT 2020 stattfinden, doch die Pandemie machte diese Pläne zunichte. Erst 2022 konnte die Schützenjugend wieder zusammenkommen. Im Rahmen der Vorbereitung entstand bei mir der Wunsch, mich künftig auch über das lokale Engagement hinaus im BdSJ-Diözesanvorstand einzubringen. So kandidierte ich für ein Vorstandsamt und wurde zunächst als Beisitzer, später als stellvertretender Diözesanjungschützenmeister für den Bereich Finanzen gewählt – ein Amt, das ich bis September 2025 ausgeübt habe.
UB: Mit 51 Jahren bist Du ja schon lange kein Jugendlicher mehr. Wo liegt für Dich der besondere Reiz oder die besondere Motivation mit und für die Jugendlichen im Diözesanverband Köln zu arbeiten?
DB: Die Arbeit mit Jugendlichen in einem Verband oder Verein ist für mich weit mehr als ein „Job“ oder ein gewöhnliches Ehrenamt. Sie ist ein lebendiges Experimentierfeld für die Gesellschaft von morgen. Besonders reizvoll finde ich, dass die Jugendarbeit eine einzigartige Mischung aus idealistischen Vorstellungen und echter Selbstwirksamkeit bietet. Jugendliche und Erwachsene begegnen sich hier meist auf Augenhöhe – ein Umfeld, in dem echte Partizipation möglich wird.
Es ist etwas Besonderes zu erleben, wie junge Menschen Demokratie nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern sie tatsächlich anwenden. Und es motiviert ungemein, wenn man sieht, wie aus anfänglichen vagen Ideen der Jugendlichen greifbare Projekte und Ereignisse entstehen. Viele junge Menschen suchen heute nach klaren Werten und Orientierung. Der BdSJ Diözesanverband Köln – ebenso wie seine regionalen und örtlichen Gliederungen – bietet genau das: einen verlässlichen Werterahmen und ein starkes Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Unsere Jugendarbeit schafft außerdem einen geschützten Raum, in dem man sich ausprobieren kann, Fehler machen darf und an Verantwortung wächst. Und damit komme ich auch auf meine persönliche Rolle zu sprechen: Ein Jugendverband unserer Größe, mit einem breiten Aufgabenfeld und festangestellten Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle, braucht an seiner Spitze jemanden, der bereit ist, die fachlichen, organisatorischen und persönlichen Herausforderungen anzunehmen. Diese Verantwortung übernehme ich gerne.
UB: Der Posten des DJSM war bis zu Deiner Wahl für ein Jahr vakant. Ich kann mir vorstellen, dass in dieser Zeit doch das eine oder andere liegen geblieben ist bzw. nicht so, wie man es gerne gehabt hätte, weitergeführt werden können. Was sind aktuell für Dich die „größten Baustellen“?
DB: Wie bereits erwähnt, lag die Übernahme des Amtes schlicht daran, dass sich zunächst keine andere Person im Verband dazu bereit erklärt hat. Eigentlich hätte ich gerne weiterhin die Finanzen betreut und dies auch sehr gerne unter einem neuen Diözesanjungschützenmeister getan. Aber wie in der Frage völlig richtig formuliert: Eine solche Vakanz darf nicht zu lange andauern. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, das Amt für eine Legislaturperiode zu übernehmen.
Das bedeutet allerdings auch, dass wir bereits jetzt aktiv nach einer späteren Nachfolge suchen müssen. Ich bin überzeugt, dass wir im neuen BdSJ-Diözesanvorstand engagierte Persönlichkeiten finden werden, die sich eine zukünftige Amtsübernahme vorstellen können. Gleichzeitig bin ich sicher, dass in unseren Bezirken und Bruderschaften junge Menschen heranwachsen, die das Potenzial und das Interesse haben, sich auf Diözesanebene einzubringen. Die langfristige Nachwuchsgewinnung für Führungspositionen ist daher eine unserer zentralen „Baustellen“.
Abgesehen davon bin ich sehr dankbar, dass sowohl die bestehenden Vorstandsmitglieder als auch die Geschäftsstelle in den vergangenen Monaten hervorragend gearbeitet haben. Dadurch konnten wir sicherstellen, dass keine wesentlichen Themen unbearbeitet geblieben sind.
UB: Neben der ehrenamtlichen Alltagsarbeit hast Du sicherlich auch Ziele oder Visionen, die Du gerne umsetzen möchtest. Welche wären das?
DB: Der ehrenamtliche Alltag war in den vergangenen Monaten stark geprägt von der Arbeit im Arbeitskreis Finanzen der katholischen Jugendverbände im Erzbistum Köln. Hintergrund war, dass das vom Erzbistum vorgegebene Budget für das Jahr 2030 rund 400.000 Euro weniger für die zehn Jugendverbände vorsah. Um dafür eine tragfähige und faire neue Mittelverteilung zu erarbeiten, waren zahlreiche intensive und teilweise langwierige Sitzungen notwendig. Dieser Prozess ist nun zwar abgeschlossen, bringt jedoch weitere Veränderungen mit sich, die wir aufmerksam und vorausschauend begleiten müssen. Insgesamt wird das Thema Finanzen unseren Verband auch in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.
Natürlich habe ich darüber hinaus auch Ziele und Visionen für die zukünftige Ausrichtung der Jugendarbeit. Einige davon werden wir im Rahmen unserer Schwerpunktsetzungen nach und nach aufgreifen. In diesem Jahr legen wir beispielsweise einen besonderen Fokus auf die Partizipation junger Menschen und analysieren regelmäßig, welche gesellschaftlichen Themen für unseren Verband zusätzlich relevant werden.
Wenn ich meine persönlichen Visionen für das Schützenwesen zusammenfassen darf, wären dies insbesondere folgende Punkte:
- Ein dauerhaft lebendiger Austausch zwischen „Stammschützen“ und Jugend auf Augenhöhe.
- Die Einführung einer App für die interne Kommunikation, um bürokratische Hürden abzubauen und ehrenamtliche Prozesse zu erleichtern.
- Die Weiterentwicklung multisportiver Ansätze im Schießsport, etwa durch die Integration von Bogenschießen oder Biathlon-Elementen, um neue Zielgruppen anzusprechen.
- Der Aufbau stärkerer lokaler Kooperationen – mit Schulen, Vereinen und anderen Organisationen – für gemeinsame Aktionstage und zur Förderung des gesellschaftlichen Engagements vor Ort.
- Eine flächendeckende Etablierung von Schutzkonzepten, damit unsere Strukturen sichere Orte für alle Kinder, Jugendlichen und schutzbedürftigen Personen bleiben.
UB: Wie bewertest Du das soziale Engagement unserer Schützenbruderschaften und Jugendgruppen und was macht der BdS-Diözesanverband in diesem Bereich?
DB: Ich freue mich immer besonders, wenn ich von außergewöhnlichen Sozialaktionen unserer Jungschützen höre oder darüber lese. Die jährliche Gesamtbilanz aller caritativen Aktivitäten der Schützen ist beeindruckend und verdient höchsten Respekt. Aufmerksam verfolge ich neue oder erstmalige Projekte, die bei den Beteiligten eine besondere Begeisterung auslösen – wie etwa die „Drei-Königs-Aktion“ der Schützenjugend im Düsseldorfer Süden, über die in der April-Ausgabe des Schützenbruders berichtet wird. Solche Initiativen zeigen, wie Bruderschaften und Bezirke voneinander lernen und einander inspirieren können.
Auch wir als BdSJ Diözesanverband Köln haben vor zwei Jahren bewusst auf große Aktionen oder besondere Werbemittel zu unserem 60-jährigen Jubiläum verzichtet. Stattdessen haben wir gemeinsam mit allen Jungschützinnen und Jungschützen im gesamten Diözesanverband Cent-Stücke und anderes Kleingeld gesammelt. Am Ende kamen mehrere Kilogramm Münzen zusammen, die sortiert, gezählt und schließlich zu einer Gesamtsumme von fast 6.000 Euro führten.
Dieses Geld haben wir an drei Kinder- und Jugendorganisationen im Diözesanverband verteilt. Damit konnte unter anderem die Betreuung und Behandlung von gehandicapten oder schwerkranken Kindern unterstützt sowie ein Kinderhospiz gefördert werden. Für mich sind das Beispiele dafür, wie stark die Solidarität in unserem Verband ist und welch großen Unterschied selbst kleine Beiträge machen können, wenn viele gemeinsam anpacken und für eine Sache einstehen.
Das Interview führte Diözesanpressereferent Ulrich Berres
