Don­ners­tag, 2. April 2026 | All­ge­mei­nes

Ulrich Ber­res (UB): Hal­lo Dani­el, im Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res bist Du in der Diö­ze­san­jung­schüt­zen­rats­sit­zung zum neu­en Diö­ze­san­jung­schüt­zen­meis­ter (DJSM) gewählt wor­den. Hier­zu gra­tu­lie­re ich Dir recht herz­lich und wün­sche Dir viel Erfolg im neu­en Amt. In Jun­gen­d­krei­sen bist Du ja sicher­lich hin­läng­lich bekannt, denn Du bist in die­sem Bereich  schon län­ger aktiv. Ich möch­te aber die Gele­gen­heit nut­zen, Dich mit die­sem Inter­view einem grö­ße­ren Kreis inner­halb unse­rer gro­ßen Schüt­zen­fa­mi­lie bekannt zu machen. Was soll­ten wir über die Per­son Dani­el Ball wissen?

Dani­el Ball (DB): Ich bin Jahr­gang 1975, ein ech­ter Rhein­län­der, und enga­gie­re mich seit fast vier­zig Jah­ren im Ehren­amt. Gebo­ren und auf­ge­wach­sen bin ich in Brühl, wo ich nach dem Fach­ab­itur eine Aus­bil­dung zum Bank­kauf­mann absol­vier­te. Nach 22 Jah­ren in die­sem Beruf habe ich mich beruf­lich neu ori­en­tiert und arbei­te heu­te als Beam­ter im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung. Dort bin ich im Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment für bun­des­wei­te Pro­jek­te tätig.

Mein Lebens­mit­tel­punkt liegt inzwi­schen gemein­sam mit mei­ner Part­ne­rin im Sie­ben­ge­bir­ge, genau­er gesagt in Königswinter-Thomasberg.

Mit dem Ehren­amt habe ich bereits in mei­ner frü­hen Jugend begon­nen: Zunächst bei der DLRG, wo ich in der Schwimm­aus­bil­dung und im Jugend­vor­stand aktiv war. Nach einer frei­wil­li­gen Aus­bil­dung zum „Ver­eins­ma­na­ger LSB“ über­nahm ich meh­re­re Jah­re Ver­ant­wor­tung im geschäfts­füh­ren­den Vor­stand des Stadt­sport­ver­ban­des Brühl – zuletzt als Vor­sit­zen­der. In die­ser Zeit gehör­ten unter ande­rem die Ver­hand­lun­gen mit der Stadt­ver­wal­tung zur Ein­füh­rung von Sport­stät­ten­nut­zungs­ge­büh­ren zu mei­nen Aufgaben.

Über den Stadt­sport­ver­band fand ich schließ­lich den Weg zur St. Sebas­tia­nus Schüt­zen­bru­der­schaft Brühl vor 1442 e.V. Nach mei­nem Ein­tritt war ich dort meh­re­re Jah­re als Geschäfts­füh­rer und Jung­schüt­zen­meis­ter aktiv. Die Jugend­ar­beit war mir dabei stets ein beson­de­res Anlie­gen – unab­hän­gig davon, ob im Ret­tungs­we­sen, im Dach­ver­band der Brüh­ler Sport­ver­ei­ne oder im Schüt­zen­ver­ein. Nach­wuchs zu för­dern und jun­ge Men­schen für das Ehren­amt zu begeis­tern, war und ist für mich ein zen­tra­les Thema.

Ein per­sön­li­ches Her­zens­pro­jekt war der Diö­ze­san­jung­schüt­zen­tag (DJT) in Brühl, des­sen Kon­zept wir über Jah­re vor­be­rei­tet hat­ten. Ursprüng­lich soll­te der DJT 2020 statt­fin­den, doch die Pan­de­mie mach­te die­se Plä­ne zunich­te. Erst 2022 konn­te die Schüt­zen­ju­gend wie­der zusam­men­kom­men. Im Rah­men der Vor­be­rei­tung ent­stand bei mir der Wunsch, mich künf­tig auch über das loka­le Enga­ge­ment hin­aus im BdSJ-Diö­ze­san­vor­stand ein­zu­brin­gen. So kan­di­dier­te ich für ein Vor­stands­amt und wur­de zunächst als Bei­sit­zer, spä­ter als stell­ver­tre­ten­der Diö­ze­san­jung­schüt­zen­meis­ter für den Bereich Finan­zen gewählt – ein Amt, das ich bis Sep­tem­ber 2025 aus­ge­übt habe.

UB: Mit 51 Jah­ren bist Du ja schon lan­ge kein Jugend­li­cher mehr. Wo liegt für Dich der beson­de­re Reiz oder die beson­de­re Moti­va­ti­on mit und für die Jugend­li­chen im Diö­ze­san­ver­band Köln zu arbeiten?

DB: Die Arbeit mit Jugend­li­chen in einem Ver­band oder Ver­ein ist für mich weit mehr als ein „Job“ oder ein gewöhn­li­ches Ehren­amt. Sie ist ein leben­di­ges Expe­ri­men­tier­feld für die Gesell­schaft von mor­gen. Beson­ders reiz­voll fin­de ich, dass die Jugend­ar­beit eine ein­zig­ar­ti­ge Mischung aus idea­lis­ti­schen Vor­stel­lun­gen und ech­ter Selbst­wirk­sam­keit bie­tet. Jugend­li­che und Erwach­se­ne begeg­nen sich hier meist auf Augen­hö­he – ein Umfeld, in dem ech­te Par­ti­zi­pa­ti­on mög­lich wird.

Es ist etwas Beson­de­res zu erle­ben, wie jun­ge Men­schen Demo­kra­tie nicht nur theo­re­tisch ken­nen­ler­nen, son­dern sie tat­säch­lich anwen­den. Und es moti­viert unge­mein, wenn man sieht, wie aus anfäng­li­chen vagen Ideen der Jugend­li­chen greif­ba­re Pro­jek­te und Ereig­nis­se ent­ste­hen. Vie­le jun­ge Men­schen suchen heu­te nach kla­ren Wer­ten und Ori­en­tie­rung. Der BdSJ Diö­ze­san­ver­band Köln – eben­so wie sei­ne regio­na­len und ört­li­chen Glie­de­run­gen – bie­tet genau das: einen ver­läss­li­chen Wer­te­rah­men und ein star­kes Gefühl von Gemein­schaft und Zugehörigkeit.

Unse­re Jugend­ar­beit schafft außer­dem einen geschütz­ten Raum, in dem man sich aus­pro­bie­ren kann, Feh­ler machen darf und an Ver­ant­wor­tung wächst. Und damit kom­me ich auch auf mei­ne per­sön­li­che Rol­le zu spre­chen: Ein Jugend­ver­band unse­rer Grö­ße, mit einem brei­ten Auf­ga­ben­feld und fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ten­den in der Geschäfts­stel­le, braucht an sei­ner Spit­ze jeman­den, der bereit ist, die fach­li­chen, orga­ni­sa­to­ri­schen und per­sön­li­chen Her­aus­for­de­run­gen anzu­neh­men. Die­se Ver­ant­wor­tung über­neh­me ich gerne.

UB: Der Pos­ten des DJSM war bis zu Dei­ner Wahl für ein Jahr vakant. Ich kann mir vor­stel­len, dass in die­ser Zeit doch das eine oder ande­re lie­gen geblie­ben ist bzw. nicht so, wie man es ger­ne gehabt hät­te, wei­ter­ge­führt wer­den kön­nen. Was sind aktu­ell für Dich die „größ­ten Baustellen“?

DB: Wie bereits erwähnt, lag die Über­nah­me des Amtes schlicht dar­an, dass sich zunächst kei­ne ande­re Per­son im Ver­band dazu bereit erklärt hat. Eigent­lich hät­te ich ger­ne wei­ter­hin die Finan­zen betreut und dies auch sehr ger­ne unter einem neu­en Diö­ze­san­jung­schüt­zen­meis­ter getan. Aber wie in der Fra­ge völ­lig rich­tig for­mu­liert: Eine sol­che Vakanz darf nicht zu lan­ge andau­ern. Des­halb habe ich mich dazu ent­schie­den, das Amt für eine Legis­la­tur­pe­ri­ode zu übernehmen.

Das bedeu­tet aller­dings auch, dass wir bereits jetzt aktiv nach einer spä­te­ren Nach­fol­ge suchen müs­sen. Ich bin über­zeugt, dass wir im neu­en BdSJ-Diö­ze­san­vor­stand enga­gier­te Per­sön­lich­kei­ten fin­den wer­den, die sich eine zukünf­ti­ge Amts­über­nah­me vor­stel­len kön­nen. Gleich­zei­tig bin ich sicher, dass in unse­ren Bezir­ken und Bru­der­schaf­ten jun­ge Men­schen her­an­wach­sen, die das Poten­zi­al und das Inter­es­se haben, sich auf Diö­ze­sa­ne­be­ne ein­zu­brin­gen. Die lang­fris­ti­ge Nach­wuchs­ge­win­nung für Füh­rungs­po­si­tio­nen ist daher eine unse­rer zen­tra­len „Bau­stel­len“.

Abge­se­hen davon bin ich sehr dank­bar, dass sowohl die bestehen­den Vor­stands­mit­glie­der als auch die Geschäfts­stel­le in den ver­gan­ge­nen Mona­ten her­vor­ra­gend gear­bei­tet haben. Dadurch konn­ten wir sicher­stel­len, dass kei­ne wesent­li­chen The­men unbe­ar­bei­tet geblie­ben sind.

UB: Neben der ehren­amt­li­chen All­tags­ar­beit hast Du sicher­lich auch Zie­le oder Visio­nen, die Du ger­ne umset­zen möch­test. Wel­che wären das?

DB: Der ehren­amt­li­che All­tag war in den ver­gan­ge­nen Mona­ten stark geprägt von der Arbeit im Arbeits­kreis Finan­zen der katho­li­schen Jugend­ver­bän­de im Erz­bis­tum Köln. Hin­ter­grund war, dass das vom Erz­bis­tum vor­ge­ge­be­ne Bud­get für das Jahr 2030 rund 400.000 Euro weni­ger für die zehn Jugend­ver­bän­de vor­sah. Um dafür eine trag­fä­hi­ge und fai­re neue Mit­tel­ver­tei­lung zu erar­bei­ten, waren zahl­rei­che inten­si­ve und teil­wei­se lang­wie­ri­ge Sit­zun­gen not­wen­dig. Die­ser Pro­zess ist nun zwar abge­schlos­sen, bringt jedoch wei­te­re Ver­än­de­run­gen mit sich, die wir auf­merk­sam und vor­aus­schau­end beglei­ten müs­sen. Ins­ge­samt wird das The­ma Finan­zen unse­ren Ver­band auch in den kom­men­den Jah­ren inten­siv beschäftigen.

Natür­lich habe ich dar­über hin­aus auch Zie­le und Visio­nen für die zukünf­ti­ge Aus­rich­tung der Jugend­ar­beit. Eini­ge davon wer­den wir im Rah­men unse­rer Schwer­punkt­set­zun­gen nach und nach auf­grei­fen. In die­sem Jahr legen wir bei­spiels­wei­se einen beson­de­ren Fokus auf die Par­ti­zi­pa­ti­on jun­ger Men­schen und ana­ly­sie­ren regel­mä­ßig, wel­che gesell­schaft­li­chen The­men für unse­ren Ver­band zusätz­lich rele­vant werden.

Wenn ich mei­ne per­sön­li­chen Visio­nen für das Schüt­zen­we­sen zusam­men­fas­sen darf, wären dies ins­be­son­de­re fol­gen­de Punkte:

  1. Ein dau­er­haft leben­di­ger Aus­tausch zwi­schen „Stamm­schüt­zen“ und Jugend auf Augenhöhe.
  2. Die Ein­füh­rung einer App für die inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, um büro­kra­ti­sche Hür­den abzu­bau­en und ehren­amt­li­che Pro­zes­se zu erleichtern.
  3. Die Wei­ter­ent­wick­lung mul­ti­spor­ti­ver Ansät­ze im Schieß­sport, etwa durch die Inte­gra­ti­on von Bogen­schie­ßen oder Biath­lon-Ele­men­ten, um neue Ziel­grup­pen anzusprechen.
  4. Der Auf­bau stär­ke­rer loka­ler Koope­ra­tio­nen – mit Schu­len, Ver­ei­nen und ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen – für gemein­sa­me Akti­ons­ta­ge und zur För­de­rung des gesell­schaft­li­chen Enga­ge­ments vor Ort.
  5. Eine flä­chen­de­cken­de Eta­blie­rung von Schutz­kon­zep­ten, damit unse­re Struk­tu­ren siche­re Orte für alle Kin­der, Jugend­li­chen und schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen bleiben.

UB: Wie bewer­test Du das sozia­le Enga­ge­ment unse­rer Schüt­zen­bru­der­schaf­ten und Jugend­grup­pen und was macht der BdS-Diö­ze­san­ver­band in die­sem Bereich?

DB: Ich freue mich immer beson­ders, wenn ich von außer­ge­wöhn­li­chen Sozi­al­ak­tio­nen unse­rer Jung­schüt­zen höre oder dar­über lese. Die jähr­li­che Gesamt­bi­lanz aller cari­ta­ti­ven Akti­vi­tä­ten der Schüt­zen ist beein­dru­ckend und ver­dient höchs­ten Respekt. Auf­merk­sam ver­fol­ge ich neue oder erst­ma­li­ge Pro­jek­te, die bei den Betei­lig­ten eine beson­de­re Begeis­te­rung aus­lö­sen – wie etwa die „Drei-Königs-Akti­on“ der Schüt­zen­ju­gend im Düs­sel­dor­fer Süden, über die in der April-Aus­ga­be des Schüt­zen­bru­ders berich­tet wird. Sol­che Initia­ti­ven zei­gen, wie Bru­der­schaf­ten und Bezir­ke von­ein­an­der ler­nen und ein­an­der inspi­rie­ren können.

Auch wir als BdSJ Diö­ze­san­ver­band Köln haben vor zwei Jah­ren bewusst auf gro­ße Aktio­nen oder beson­de­re Wer­be­mit­tel zu unse­rem 60-jäh­ri­gen Jubi­lä­um ver­zich­tet. Statt­des­sen haben wir gemein­sam mit allen Jung­schüt­zin­nen und Jung­schüt­zen im gesam­ten Diö­ze­san­ver­band Cent-Stü­cke und ande­res Klein­geld gesam­melt. Am Ende kamen meh­re­re Kilo­gramm Mün­zen zusam­men, die sor­tiert, gezählt und schließ­lich zu einer Gesamt­sum­me von fast 6.000 Euro führten.

Die­ses Geld haben wir an drei Kin­der- und Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen im Diö­ze­san­ver­band ver­teilt. Damit konn­te unter ande­rem die Betreu­ung und Behand­lung von gehan­di­cap­ten oder schwer­kran­ken Kin­dern unter­stützt sowie ein Kin­der­hos­piz geför­dert wer­den. Für mich sind das Bei­spie­le dafür, wie stark die Soli­da­ri­tät in unse­rem Ver­band ist und welch gro­ßen Unter­schied selbst klei­ne Bei­trä­ge machen kön­nen, wenn vie­le gemein­sam anpa­cken und für eine Sache einstehen.

Das Inter­view führ­te Diö­ze­san­pres­se­re­fe­rent Ulrich Berres