Ein bedeutendes Kapitel Brühler Stadtgeschichte erhält einen dauerhaften Platz im historischen Gedächtnis der Stadt: Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Brühl vor 1442 e.V. hat am Dienstagabend, den 6. Oktober 2026, ihr umfangreiches Vereinsarchiv im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung an das Stadtarchiv Brühl übergeben.
Mit historischen Redebeiträgen, der Vorführung des aufwendig restaurierten Schützenfestfilms von 1914 und einem Schauspiel wurde die Bedeutung der historischen Zeugnisse eindrucksvoll gewürdigt. Die Vereinbarungen zur Übergabe wurden traditionsgemäß mit einer Falkenfeder unterzeichnet. Das übergebene Archiv birgt außergewöhnliche Schätze: Das älteste erhaltene Protokollbuch der Bruderschaft beginnt im Jahr 1671, das älteste erhaltene Schützenschild stammt sogar aus dem Jahr 1575.
Hinzu kommen historische Königsplaketten und weitere Dokumente, die Einblicke in das gesellschaftliche Leben, die Traditionen und die Entwicklung der Stadt Brühl über mehrere Jahrhunderte ermöglichen. Eine besondere Attraktion des Abends war die Vorführung eines historischen Films vom Schützenfest des Jahres 1914. Die Aufnahmen, die aufwendig in 4K digitalisiert wurden, zeigen frühe bewegte Bilder der Stadt und machen ein Stück Vergangenheit auf eindrucksvolle Weise wieder erlebbar.
Mit der Übergabe an das Stadtarchiv verfolgt die Schützenbruderschaft ein klares Ziel: Die wertvollen Dokumente und Gegenstände sollen nicht nur fachgerecht aufbewahrt, sondern auch für Forschung, historische Bildungsarbeit und interessierte Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht werden. Als Depositum bleibt das Archiv der Bruderschaft zugeordnet, während die Stadt die dauerhafte fachgerechte Sicherung und Erschließung der Bestände übernimmt.
Die Idee zu diesem Projekt entstand aus der Frage, wie historische Unterlagen und wertvolle Erinnerungsstücke geschützt werden können, ohne sie dauerhaft der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Der Vorstand um den Vorsitzenden Frank Pohl und der für die Aufarbeitung des Archivs verantwortliche Schützenbruder Wolfgang Siegl fanden in Bürgermeister Dr. Marc Prokop und Stadtarchivar Alexander Entius engagierte Gesprächspartner. Ein besonderer Dank galt Wolfgang Siegl, der das Projekt maßgeblich begleitet und die Aufarbeitung des Vereinsarchivs als Projektleiter vorangetrieben hat.
Für sein Engagement wurde er im Rahmen der Übergabe zum Archivar ernannt. Die Würdigung unterstreicht die Bedeutung seiner Arbeit für die Sicherung des historischen Erbes der Bruderschaft. Auch Vertreter des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) begleiteten den besonderen Anlass. Heiko Kleusch, Präsidiumsmitglied des BHDS, und Daniel Ball vom BHDS-Diözesanverband Köln e.V. nahmen an der Veranstaltung teil und würdigten die zukunftsweisende Bedeutung der Archivübergabe.
Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Brühl vor 1442 e.V. gehört seit Jahrhunderten zur Geschichte der Stadt. Ihre überlieferten Dokumente erzählen nicht allein von einem Verein, sondern zugleich von den Menschen, dem gesellschaftlichen Leben und dem Wandel Brühls. Bürgermeister Dr. Marc Prokop, selbst Schützenbruder, betonte die besondere Bedeutung des Projekts für die Stadt und ihre kommenden Generationen. Sein Dank galt dem Vorsitzenden Frank Pohl, Projektleiter Wolfgang Siegl sowie allen Beteiligten der Schützenbruderschaft und des Stadtarchivs, insbesondere Alexander Entius und seinem Team.
Die Übergabe ist damit weit mehr als eine organisatorische oder archivtechnische Maßnahme. Sie steht für gelebte Erinnerungskultur, historische Verantwortung und die Verbindung von Tradition und Zukunft. Brühl bewahrt mit diesem Schritt ein wertvolles Stück seiner Identität – und macht es zugleich für kommende Generationen erforschbar und erlebbar.

